Honningsvåg - Harstad
Honningsvåg – Hammerfest -Alta -Olderdalen – Tromsø – Harstad
Um 05.30 Uhr das bekannte Bild: heller Sonnenschein; aber dann um 08.00 Uhr: Kälte und Nebel! Der Wirt meint, der Nordwind treibe den Nebel vom Nordkap her aufs Land. Normalerweise wären mehr Touristen am Kap, als ich gestern angetroffen habe. Er berichtet, dass pro Jahr ca. 200 Tsd. Besucher ans Nordkap kämen. Ein Abstecher an den Hafen: da liegt ein riesiges Schiff der Hurtigrouten. Im geschmackvoll eingerichteten Souvenirladen mit sehr ansprechenden Sachen tummeln sich die Passagiere, die Schweizer unüberhörbar mit ihrer komischen Sprache.
Der Weg zurück, Richtung Süden bietet, trotz Kehrseite von gestern, neue Eindrücke. Man muss sich wirklich fragen, was die Leute hierher, in die abgelegenen und weit verstreuten Häuschen treibt, auch was sie denn so das ganze Jahr hindurch tun.
Bei Skaidi geht’s rechts ab nach Hammerfest. Eine flüssige, kurvenreiche Fahrt, immer wieder tolle Ausblicke auf Hügel und Wasser.
Bei Kvalsund führt eine riesige Brücke über den Sund. Ein letzte Steigung und vor einem liegt in einer geschützten Bucht die Stadt Hammerfest. Riesige Tankanlagen, Industiekomplexe und ein Flughafen erwecken den Eindruck einer strategischen Basis für alle möglichen Zwecke. Am Hafen liegt ein Schnellboot nach Alta. Eigentlich würde ich gerne mitfahren, ja, das wäre möglich, aber ohne Motorrad. Wie soll das nur gehen?
Nach der langen Tour von gestern habe ich für heute eigentlich an eine kürzere Etappe gedacht. Nur hat es mir Hammerfest nicht besonders angetan. Es geht deshalb weiter nach Süden. Je südlicher, desto spürbar wärmer wird es.
In Alta ist es fast sommerlich warm; d.h. zweifellos einiges über 20 Grad C!. Das Wandererheim ist schnell gefunden. Da wirkt ein junges sympathisches Studentenpärchen als Gastgeber. Der Bummel durch die Stadt und insbesondere durch das modern und sehr geschmackvoll gestaltete Zentrum ist ein echtes Highlight. Auch ein Denkmal für die Schieferverarbeitung ist zu bewundern. Den Schiefer trifft man auf der Route zum Nordkap massenhaft an. In Honningsvåg sind es verschiedene Granite und am Nordkap vermutlich vulkanisches Gestein.
Bild: Hauptplatz von Alta mit der Skulptur eines Schieferarbeiters
Im Wandererheim darf ich im Internet meine Mails checken und den Wetterbericht für die nächsten Tage aufrufen. Alles im grünen Bereich!
Beim Morgenessen berichten zwei Fischer, dass sie mit dem Flugzeug an einen abgelegenen Ort fliegen werden. Das sei hier so üblich, obwohl es eigentlich unsinnig sei, ökologisch und überhaupt. Viele Touristen kämen aus dem Süden hierher, um dann mit Bus, Zug oder Auto in Etappen zurückzufahren.
Das Museum für Siedlungsfunde (Felszeichnungen und Torfgräber) liegt ausserhalb von Alta an der E6. Es ist sehr schön angelegt und lohnt den Besuch.
Die Fahrt nach Olderdalen führt durch die bereits befahrenen und deshalb bekannten Gefilde.
Die Sonne wechselt mit Nebel, der einem entlang dem Wasser unerwartet schnell die Kälte in die Knochen treibt. Leider besteht nirgends die Möglichkeit am Wasser eine kleine Pause zu machen. Die Ufer sind zu steil, bewaldet oder felsig bzw. befinden sich in privater Hand.
In Olderdalen ist die Fähre eben weggefahren. So nutze ich die Wartefrist für das Mittagspicknick und zum Fotografieren. Ein Mann (Österreicher) fischt auf dem Steg. Er ist nicht zum ersten Mal hier. Er berichtet darüber, wie er mit seiner Fischerei zum Selbstversorger geworden sei.
Die Fähre setzt nach Lyngseidet über. Tiefblauer Fjord, grünes Land mit roten Häusern, Schnee- felder auf den Bergen, Sonne überall. Was will man da noch mehr?
Um den Anschluss an die Fähre von Svensby nach Breivikeidet nicht zu verpassen, gilt es keine Zeit zu verlieren. Unter den Fährgästen setzt nun ein relativ hektisches Treiben ein.
Trotz der Eile kann einem die faszinierende Aussicht auf den Ullsfjorden nicht entgehen. Der Anschluss klappt bestens, die Hetzte war vergebens, alle können weiterfahren. Von hier aus sind es noch etwa 30 km bis Tromsø. Eine Stadt an zwei Buchten gelegen, verbunden durch eine riesige Brücke, die auch Schiffen der Hurtigruten Durchfahrt gewährt. Im Hostel herrscht Hochbetrieb.
Das Zimmer teile ich mit einem Deutschen aus Thüringen. Er ist gar nicht gesprächig, dafür aber sehr nervös. Er sei mit dem Auto unterwegs und befahre eine Route im Zickzack zwischen Schweden und Norwegen entlang der Grenze nach Norden.
Der Bummel durch die Stadt ist ergiebig. Der Hafen ist umsäumt von einer grosse Zahl attraktiver Restaurants. Hier spielt sich auch das abendliche Leben von Tromsø ab. Dank dem wunderbaren Sommerabend sind alle (Einheimische und Touristen aus allen Herren Ländern) auf der Strasse und in den Cafés. Man trinkt hier Bier für € 6 das Glas.
Die Temperatur um 22 Uhr beträgt noch 23 Grad C. Vor dem Wandererheim sitzen vor allem viele jüngere Menschen im Gras und geniessen die Abendsonne.
Der Thüringer ist schon in aller Herrgottsfrühe weg. Beim Frühstück treffe ich einen Fahrradfahrer aus Jönjöping. Seit 5 Wochen sei er unterwegs. Er habe hier einige Tage Rast gemacht und wolle nun noch nach Spitzbergen fliegen. Die Wellen in den Strassenbelägen führt er auf eine ungenügende Fundierung zurück.
Tromsø ist u.a. bekannt für seine Universität (nördlichste von Europa) und die futuristische Kirche. Der Besuch sei ein Muss. Kostet Eintritt. Keine Spur von Touristen!
Endlich bietet sich die lange erwartete Gelegenheit, auf Nebenstrassen zu fahren! Via Flugplatz geht es auf der 862 nach Süden. Die Fähre von Larseng über den Straumfjorden nach Vikran fährt nur vier mal am Tag. Die nächste Fähre geht erst in 1.5 Stunden. Eine Pause also, gerade recht fürs Mittagspicknick in der Sonne am Wasser und um sich etwas in der Reiselektüre zu vertiefen. Straumen bedeutet Strömung. Sie ist unübersehbar, verursacht durch die enge Stelle, bei der sowohl bei Ebbe als auch bei Flut viel Wasser fliesst. Ein spannendes Schauspiel. Die Hurtigruten passieren diese Stelle, die sehr fischreich sein soll, ebenfalls.
Von Fikran geht’s nach links, entlang dem Balsfjorden. Seit langem sind wieder einmal Bauernhöfe zu sehen. Die Strasse ist schmal und sehr gewellt.
Langsam wird das Benzin knapp. Die letzte Tankstelle liegt über 80 km zurück. In Storsteinnes gibt es endlich Nachschub. Betreffend die Zufahrt zur E6 ergibt sich eine kleine Unsicherheit. Diese schmale Strasse kann doch nicht die Hauptverbindung sein! Ist sie aber, bestätigt die Frau, die den Sonnenschein vor ihrem Haus geniesst.
Bei jedem Halt umschwirren einen Schwärme von aggressiven Bremsen. Bei Andselv geht’s rechts ab, auf die Nebenstrasse 84 nach Sørreisa. Eine malerisch an einer Bucht des Sobergfjords gelegene Ortschaft. Wieder ein kleiner, fehlerhafter Karteneintrag, das ich dank der Nachfrage bei einem Bauern auf seinem Hof lösen kann. Es ist erstaunlich, wie gut hier alle englisch sprechen.
Wieder geht’s hinauf in ein wildes einsames Tal. Bei Sletta führt die Fahrt entlang dem Salangen und weiter südlich dem Astafjord. Die Strecke verläuft sehr abwechslungsreich. Ein Mal nahe am Wasser, dann hinauf, zwischen Felsen hindurch, an einsamen Bauernhöfen vorbei.
Die breite, gut ausgebaute Strasse ändert unvermittelt in sehr schmale Passagen mit den bekannten Wellen im Belag.
Bei Fornes quert sie einen atemberaubend hohen Viadukt. Fischer werfen ihre Angeln von der Brücke über 20 m in die Tiefe aus. Bei Sørvik unterquert die Strasse in einer Tiefe von 200 m den Fjord! Wozu dieser Aufwand für diesen spärlichen Verkehr? Möglich, dass er zu anderen Zeiten grösser ist. Schliesslich führt dieser Weg nach Harstad, der grössten Stadt der Versteralen und der Lofoten. Um 17.30 Uhr ist das Ende der Landzunge bei Sør-Roffnes erreicht.
Auch da ist die Fähre vor 30 min. weg. Die nächste Fahrt geht um 19.45 Uhr. Eine Bar zum Verweilen sucht man vergebens, weder ein Laden noch ein Kiosk sind da. Nur ein paar Häuser. Dafür bleibt genügend Zeit für Fotos und einen Spaziergang ans Wasser. Zurück an der Fährstelle führe ich an einem Tisch den Tagesbericht nach. Eine Holländerin bietet mir einen Kaffee an. Sie ist mit ihrem Mann im Camper durch die BRD, Schweden, Finnland, Hammerfest und Tromsø hier gelandet. Vor lauter schwatzen mit der lieben älteren Dame komme ich gar nicht mehr zum Schreiben. Die Sonne scheint herrlich warm, schon etwas ungewohnt, die 24 Grad C am Schatten!
Die Fahrt in einen friedlichen, warmen Abend entschädigt für das lange Warten. Es sind immer noch 24 Grad C.
Im Wandererheim ist trotz vorgerückter Stunde noch Platz. Ich bin inzwischen auf bestem Weg zu einem vollgültigen Mitglied zu werden (jede Übernachtung bringt eine kleine Klebemarke auf die provisorische Ausweiskarte!).
Harstad entpuppt sich als das Touristenzentrum der Region mit einer grosszügig angelegten Fussgängerzone, zahllosen Strassencafés, Restaurants und Hotels.
Die Touristinfo bietet Ausflüge mit Schiff (z.B. Angeln), Auto und Flugzeug in alle grösseren Orte oder Sehenswürdigkeiten der Umgebung an.
Heute ist Ruhetag. Strahlender Sonnenschein. Er verleitet zum Saubermachen. Das Bike und das ganze Zubehör haben es nötig. 1/2 l Motorenöl nachgefüllt. Anschliessend geht’s zum Besuch des Stadtzentrums.
Da ist ein kleiner Markt Er bietet Blumen, Kleider, Andenken, so das Übliche. Die Gäste sitzen in den Strassencafés und geniessen die Wärme. Im Touristbüro erfahre ich, dass die nächste Angeltouren leider erst morgen stattfinde. Aber da will ich weiter, nach den Lofoten.
So bleibt vorerst nur der Besuch der sehenswerten Kirche aus dem 12. Jhd. in Trondenes. In der Nähe befindet sich auch der Badeplatz mit rund geschliffenen Felsblöcken. Bei den Kindern läuft einiges. Die andern gucken zu, die andern faulenzen oder beobachten die Ebbe und Flut.
Draussen in der Bucht bewegt sich etwas. Mit dem Fernglas bemerke ich im unscharfen Blickfeld allerdings auch eine ziemlich beleibte Dame im Badekostüm mit gewaltigem Busen. Sie wirkt etwas indigniert. Sie nimmt wohl an, ich beobachte andauernd ihre Rundungen (was ich aber nur kurz getan habe). Mehrmals tauchen schwarze Rücken aus dem Wasser auf und verschwinden wieder. 15′ dauert das Schauspiel. Es muss sich um Delfine oder kleine Wale gehandelt haben.
Es ist sehr warm geworden, 29.1 Grad C maximal, um 19.30 Uhr sind es immer noch 27 Grad C. Und sowas im Norden. Unglaublich!



















































































































































































































